Warum Greenwashing nicht immer schlecht ist

Wie viel fair passt noch in Fashion?“ – DIE Frage, über die im Hause Avocadostore im Rahmen der Fashion Revolution Week diskutiert wurde. Auf dem „Avocado-Sofa“ saß neben Mimi (Geschäftsführerin des Avocadostores), Jula von JAN `JUNE, Pola & Thekla aka die Kleiderei und Anja von OTTO (ein guter Mix also) auch Dr. Stefan Siemer, Nachhaltigkeitsexperte und Strategieberater. Mit ihm habe ich mich ein paar Tage später noch mal auf ein Käffchen zusammengesetzt, um bei einigen wichtigen Punkten der Diskussion neugierig nachzuhaken.

 

Hier, im ersten Teil, klären wir in zwei Fragen, warum man Greenwashing nicht immer gleich verteufeln sollte. Im zweiten Teil (Link gibt es unten) überlegen wir, wie man sich trotz Klimawandels seine gute Laune und die Motivation, etwas zu verändern, bewahrt.

 

 

" Ist Greenwashing per se schlecht?"

 

 

Stefan, eine Erkenntnis bei eurer Diskussion: Greenwashing muss nicht per se schlecht sein.

 

Was ich zum Gähnen langweilig finde, sind diese Entweder-oder-Diskussionen: Ist etwas Greenwashing oder nicht? 

Letztendlich gibt es ja nicht nur schwarz oder weiß, sondern Abstufungen. Da spielt auch die persönliche und berufliche Perspektive mit rein. Wenn du beispielsweise selbst im Nachhaltigkeitsbereich eines großen Unternehmens arbeitest, kennst du die Komplexität des Themas sowie die Hürden bei der Umsetzung und wirst kompromissbereiter, um überhaupt etwas voranzubringen. Außerdem sind die meisten Unternehmen in der Kommunikation viel zurückhaltender, als man denkt, weil sie eine Heidenangst haben, auch nur in die Nähe eines Greenwashing-Verdachtes zu kommen.

Oder aber du stehst, wie beispielsweise Greenpeace, außerhalb des Unternehmens und stellst als eine Art Kontrollinstanz gewisse Maßnahmen in Frage, um Heucheleien zu enttarnen. Betrachtet man beide Perspektiven, findet sich irgendwo in der Mitte die Wahrheit.

 

Das ist wahrscheinlich wie mit den Adidas-Schuhen aus Fischernetzen, über die zwei Tage später mit Greenpeace und dem Fair-Fashion-Label Recolution in der Superbude diskutiert wurde: Wer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit schon beschäftigt, findet die Maßnahme wahrscheinlich nicht so effektiv. Jemand, der mit dem Thema aber noch gar nichts am Hut hat und in erster Linie die Marke cool findet, findet darüber zum ersten Mal Zugang. Ein positiver Effekt also.
 

Klar, jeder Schritt in die richtige Richtung ist erstrebenswert. Allein die Kommunikation hat ja schon eine Qualität. Denn durch Begriffe, die in unserem Alltag auftauchen, wird eine Relevanz geschaffen. Wenn also eine große Marke mit entsprechender Reichweite plötzlich das Thema Nachhaltigkeit ins Spiel bringt, wird das Thema auch da wichtig, wo es bisher keine Rolle gespielt hat.

 

 

+++ Fortsetzung folgt: Im zweiten Teil reden wir darüber, warum der Gute-Laune-Faktor beim Thema Klimawandel so wichtig ist. KLICK!

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0