„Etwas Schönes darf nicht unter so hässlichen Bedingungen entstehen.“ - Lillika Eden

Julia ist in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen. Von dort zog sie in die Schweiz, um Modedesign zu studieren. Mittlerweile lebt sie in Berlin.
Julia ist in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen. Von dort zog sie in die Schweiz, um Modedesign zu studieren. Mittlerweile lebt sie in Berlin.

Es ist Fashion Revolution Week. Ja ja, ich weiß, das hatte ich euch hier schon erzählt. Aber man kann es ja nicht oft genug erwähnen 😁 

Und statt rumzujammern, dass alles schlecht ist, werfe ich lieber mal meine Augen auf tolle Alternativen, von denen es mittlerweile einige gibt. Also: Fast Fashion, mach dich vom Acker!

Die Basics von Avour und die coolen Sneaker von Ethletic habe ich euch ja schon vorgestellt. Und nun komme ich noch mit Lillika Eden um die Ecke. 

 

„Etwas Schönes darf nicht unter so hässlichen Bedingungen entstehen.“

 

So gut beschreiben es die Gründer Julia & Daniel, die auch verheiratet sind, auf ihrer Seite. Also habe ich eine Portion neugieriger Fragen an Julia nach Berlin geschickt, wo Lillika Eden sitzt.

 

Julia, was stört dich an der Modeindustrie besonders?

 

Vieles. Angefangen von der Umweltverschmutzung bei der Herstellung und Färbung von Stoffen, die gleichzeitig die Menschen in den Produktionsländern vergiften und ganze Generationen krank machen, über die schrecklichen Arbeitsbedingungen in den Nähereien bis hin zum Fakt, dass immer noch Leder und Pelze in der Industrie verwendet werden. 

 

Gab es einen speziellen Auslöser, durch den es bei dir geklickt hat?

 

Ziemlich zu Beginn des Modedesign-Studiums, noch bevor ich von den Produktionsbedingungen der Nähereien im Ausland erfahren habe, gab es bereits einen solchen Auslöser, ja. Und zwar im Textilkunde-Unterricht, als man uns beigebrachte, wie Seide hergestellt wird, dass dabei die Seidenraupen im Kokon getötet werden, damit sie nicht als Schmetterling ausschlüpfen und den Endlos-Seidenfaden durchbrechen. Da war für mich schon mal klar, keine konventionelle Seide zu benutzen und generell darauf zu achten, dass weder Mensch noch Tier & Umwelt für die Herstellung meiner Mode zu Schaden kommen.

 

Wie habt ihr diese Werte innerhalb des Labels umgesetzt?

 

Wir verwenden ausschließlich nachhaltig hergestellte Stoffe, also Bio-Baumwolle, Bio-Leinen etc. Beim Anbau werden keine gentechnisch veränderten Samen verwendet und keine Pestizide versprüht. Unsere Stoffe werden in Europa angebaut und weiter verarbeitet. Zwei Drittel davon werden sogar direkt in Deutschland gewebt und gefärbt. Unsere gesamte Produktion findet zudem in Deutschland statt, in Sachsen, um genau zu sein. Alle Schritte in der Herstellung unserer Kleidung sind somit fair, sozial und nachhaltig. Wir verwenden für unsere Kollektionen natürlich kein Leder, Pelz oder sonstige tierische Bestandteile, auch keine Wolle. Alle Teile sind also vegan. 

 

 

Welche ist dabei die größte Herausforderung?

 

Wir sehen darin keine große Herausforderung. Andere Labels würden vielleicht sagen, dass es schwierig ist, in Deutschland zu produzieren, weil es teurer ist als in anderen Ländern. Aber wir haben es von Anfang an so gemacht. Für uns kommt keine andere Option in Frage.

 

Das hört sich so easy an. Warum fällt es dann den großen Modeketten so schwer, umzustellen? Von außen denkt man ja immer, dass das ja wohl nicht wahr sein darf, dass es bei „den Großen“ immernoch keinen Richtungswechsel gibt.

 

„Das darf ja wohl nicht wahr sein“ trifft es ganz gut. Gerade große Konzerne sind sehr schwerfällige Konstrukte, in denen sich oft keiner verantwortlich fühlt, eine Veränderung in Gang zu bringen. Die Angst vor Gewinnminderungen wird wohl auch eine starke Gegenmotivation sein. Die großen „Billigmodeketten“ waren von Anfang an darauf ausgelegt, so günstig wie möglich zu produzieren. Und nun warten sie lieber ab, bis die Bevölkerung einen Massenaufstand veranstaltet und wälzen damit die Verantwortung auf die Kunden ab, statt von sich aus ihre Richtung zu ändern.

 

 

Was glaubst du: Wie wird sich das Mode- und Konsumbewusstsein in den nächsten fünf Jahren ändern? Wird es sich überhaupt spürbar, d.h. auch in der breiten Masse ändern?

 

Ich bin sicher, dass sich in den nächsten Jahren nochmals viel tun wird und dass sich das Bewusstsein im Laufe der Zeit auch in der breiten Masse ändern wird. Vermutlich werden sich im nächsten Schritt erstmal die Konsumentengruppen noch viel stärker entzweien: Die, die anfangen, mehr Wert auf Nachhaltigkeit zu legen und die, die weiterhin ignorieren, dass Mode und wie sie herstellt wird, uns alle etwas angeht.

 

Was ist für euer Label ganz anders gekommen, als du gedacht hast?

 

Am Anfang dachte ich, dass Lillika Eden überwiegend deutscher Käufer haben würde. Stattdessen haben wir mehr an Läden im Ausland verkauft als hier. Gerade in Norwegen und Schweden ist man irgendwie schon weiter, was Nachhaltigkeit angeht. Daher wird nachhaltige Mode dort stärker nachgefragt.

 

Euer Debüt habt ihr auf der Berliner Fashion Week 2014 im Green Showroom gefeiert. Welche Reaktion auf Lillika Eden ist dir noch ganz besonders in Erinnerung geblieben? 

 

Die allgemeine Begeisterung, dass nachhaltige Mode nicht nach typischer Öko-Mode aussehen muss. Das ist genau das, was wir gehofft hatten, zu bewirken.


Also liebe Leute, um die Fashion Revolution etwas voranzutreiben, werft beim nächsten Shoppingkribbeln in den Fingern doch mal ein Auge (oder sogar beide) in den Shop von Lillika Eden. Und wenn ihr Lust habt, Interviewteil Numero 2 zu lesen, in dem es mehr um Julia als Gründerin geht, check it out auf Frau, frei &.

 

Julia, vieeelen Dank für den kleinen „digitalen Schnack“ & richtig viel Erfolg weiterhin mit Lillika Eden ✌️


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