Für Klugscheißer: Goldeimer-Toiletten für die gute Sache

Die Crew und freiwilligen Helfer des Sozialunternehmens Goldeimer

 

Liebe Leute.

 

Bald werden wir wieder eins mit der Natur, wenn wir uns in den Schlamm werfen, sparen ordentlich Wasser, weil wir mindestens drei Tage lang nicht duschen und bekommen so viel frische Luft und so wenig „Digital Input“ (hoffentlich!) wie sonst nie im Jahr. Was ich sagen will: Die Festivalsaison scharrt mit den Hufen.

 

Eine Erkenntnis, die ich übrigens von meinem letzten Festival mitgebracht habe: Entweder die Dixieklos waren früher einfach besser oder meine Toleranzgrenze hat sich stark verschoben. Haben die früher auch schon sooo extrem gestunken? Muss das Alter sein… also meins. Nicht das der Dixies.

 

Ok, von jetzt an kann die Geschichte ja nur besser werden 😜

 

Malte und Enno, Gründer des Sozialunternehmens Goldeimer
Enno & Malte (der mit der Mütze), Foto von Noah Felk

Denn es gibt endlich eine Lösung, bei der direkt Vorfreude auf den Toilettengang aufkommt: die Toiletten von Goldeimer.

Dabei geht es aber nicht nur um den Komfort, sondern auch um eine richtig gute Sache: 

Statt – wie bei den Dixies – die Chemiekeule zur Geruchsbindung rauszuholen, wird mit Sägespänen gespült. Die Biomasse kann zu Erde / Humussubstrat kompostiert werden, statt wie sonst üblich in der Verbrennungsanlage zu landen. Und sogar das Klopapier ist biologisch abbaubar.

 

Der unterhaltsame Umgang mit dem Klo-Thema soll außerdem – und in erster Linie – auf die Probleme der Wasser- und Sanitärversorgung in Entwicklungsländern aufmerksam machen und durch Spenden allen Menschen auf der Welt den Zugang zu ordentlichen sanitären Anlagen ermöglichen.

 

Warum das so wichtig ist und auch ganz schön Spaß macht, erzählt Malte, der gemeinsam mit Enno das Sozialunternehmen Goldeimer gegründet hat. 

 

Malte, im muxmäuschenwild-Newsletter wurdet ihr als Shit-Advisors und Klo-Entrepreneure vorgestellt. Sind eure Eltern stolz?

 

Klar, die sind froh, dass ich nicht in 'ner Bank arbeite. So wird's nie langweilig zu Hause. Es gibt immer etwas zu erzählen. Da mein Opa Klempner war, bin ich mit der Materie ja eh schon aufgewachsen.

 

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu Goldeimer?

 

Ich habe mich vorher schon lange für Viva con Agua engagiert. Die erste Inspiration kam dort auf einer Projektreise durch Burkina Faso. Mit ein paar Kumpels entstand abends beim Bier die Idee, solche Toiletten speziell für Festivals zu entwickeln.

 

Anhand eurer Wortspiele – „Shit-Ins“, „After-Shit-Partys“, „Flagshit-Stores“ – und witzigen Posts, habe ich das Gefühl, ihr habt viel Spaß mit dem „Shit-Thema“ 😁 Oder täuscht das?

 

Wir lieben diesen Job. Es bringt Spaß, Leute auf solche Themen anzusprechen und Tabus zu brechen. Denn 2,3 Milliarden Menschen haben keine Toilette. In Indien gibt es mehr Handys als Toiletten. In Afrika sterben die meisten Kinder unter vier Jahren an Durchfall. Und hier in Deutschland haben wir nichts Besseres zu tun, als in unser sauberes und teuer aufbereitetes Wasser zu scheißen. Wichtige Nährstoffe gehen verloren, die im Ackerbau durch Chemiedünger substituiert werden. Das ist alles ziemlicher Wahnsinn. Aber keiner spricht drüber, obwohl der Stuhlgang ein so elementares, tägliches, wichtiges Thema für jeden Einzelnen ist. 

Es ist eine schöne Aufgabe, das alles mit einem Augenzwinkern in die Gesellschaft zu tragen und durch unsere Präsenz auf Festivals und den Verkauf von Klopapier Aufmerksamkeit zu erzeugen.

 

Was war eigentlich zuerst da: das Bedürfnis nach einem angenehmen Festival-Klo oder das Bewusstsein für das Nachhaltigkeitsthema?

 

Das ist wie die Frage mit dem Huhn und dem Ei. Wir lieben Festivals, aber auch die Natur. Es ist manchmal ein ziemlich strammer Spagat, diese beiden Welten miteinander in Einklang zu bringen. Eine nachhaltige Toilette zu entwickeln, kommt somit beidem zugute. Wir sind sicher, dass sich Festivals nachhaltig entwickeln können, ohne dass der Spaß und die Musik auf der Strecke bleiben. Dazu wollen wir unseren kleinen Beitrag beisteuern und andere zum Handeln inspirieren. 

 

Merkt ihr, dass sich bei den Veranstaltern was bewegt oder ist immer noch zu wenig Verständnis und Offenheit für das Thema Nachhaltigkeit da?

 

Das Interesse ist in jedem Fall da und die meisten Veranstalter haben gemerkt, dass es auch den Besuchern ein Anliegen ist, ein möglichst nachhaltiges Festival zu erleben. Trotzdem keine leichte Aufgabe. In den nächsten Jahren wird sich in diesem Bereich noch eine Menge tun. 

Fotos von Goldeimer

Wo wird das Geld, das ihr mit Goldeimer verdient, reingesteckt?

 

Unsere zukünftigen Gewinne fließen zu 100% in die Arbeit der Welthungerhilfe und unseren Partner Viva con Agua

 

Was war eigentlich das bisher schönste Feedback zu euren Klos?

 

Das Feedback unserer Nutzer auf den Festivals spornt uns immer wieder an, weiterzuarbeiten. Aber auch Anfragen, die häufig reinkommen: Wieso seid ihr noch nicht in den Flüchtlingscamps aktiv? Kann man Goldeimer auch in Schrebergärten und Naturparks einsetzen? Habt ihr nicht Lust, an unserer Uni einen Vortrag zu halten? Hinter dem Thema „Nachhaltige Sanitärversorgung“ steckt noch viel mehr als ein Becher Sägespäne und 'ne Wendy zum Blättern. So gesehen zeigt uns das Feedback auch immer wieder, wohin die Reise für uns noch gehen kann. 

 

Welchen Witz zu eurer Idee könnt ihr nicht mehr hören?

 

„Ihr habt ja echt 'nen Scheißjob, höhöhö.“ 

 

Jeder kann ja Teil der Goldeimer-Crew werden und euch unterstützen. Ich würde erstmal denken, dass es bei dem Thema gar nicht so leicht ist, Freiwillige zu finden, aber laut eurer Festivalfotos, z.B. vom A Summer`s Tale oder Dockville täuscht das…

 

Ja, denn wir sorgen dafür, dass das Thema unterhaltsam ist. Das spricht viele an. Festivals bringen Spaß. Und es ist für eine sinnvolle Sache. Wir kombinieren also viele Bedürfnisse auf einmal. Wir sind ja auch kein klassisches Unternehmen und so laufen viele Dinge bei uns etwas anders. Die Entfaltungsmöglichkeiten des eigenen Potentials sind gegeben und so gesehen ist Goldeimer ein großer Spielplatz für neue Ideen. Da schaut jeder gern mal vorbei. Außerdem gibts bei uns im Crew Camp immer leckeres Essen. 

 

Auf welchen Festivals werdet ihr dieses Jahr eure Goldeimer-Toiletten aufbauen?

 

Die Goldeimer Unplugged Tour 2016 steht an! Wir bewegen uns momentan zwischen 15 und 20 Events, unter anderem das Hurricane, Splash, Melt und Dockville. Aber auch kleinere Vertreter wie das Habitat Festival oder Katzensprung Festival sind mit von der Partie.

 

Also liebe Leute, jeder von uns muss ja mal… und das bei der nächsten Gelegenheit am besten mal auf einem Goldeimer. Es gibt auch 'ne Wendy. 

 

Oder verbringt den Sommer einfach als Teil der Goldeimer-Crew auf einem Festival statt vorm Bildschirm bzw. Display rumzuhängen. Ist auch viel gesünder!

 

Malte, mir fällt jetzt zum Abschluss auch gar kein blöder Shit-Witz ein. Also sag ich mal ganz unoriginell, aber von Herzen: Vieeelen Dank für das Interview!


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