Die Sneaker von Ethletic: Nachhaltigkeit kann so cool sein

Ganz 'frauenuntypisch' leide ich glücklicherweise nicht unter einem Schuhtick. Und falls ich doch mal einen Anfall bekomme, dann stehe ich eher auf der Seite der „bequemen“ Sneakerfreunde.

 

Nachdem ich also beschlossen hatte, nur noch nachhaltige Klamotten (d.h. für mich in erster Linie fair, in zweiter vegan, in dritter umweltfreundlich) zu kaufen, war das bisher bei allen möglichen Teilen oberhalb der Füße null Problemo. Aber wo finde ich coole und „ecosexy“ (ein Begriff, den ich von Conscious Hotels gemopst habe) Sneaker, nachdem die alten eher einem „nur mal schnell zum Flaschen wegbringen“-Kaliber entsprechen?

 

Kurze Rede nach langer Suche: Die wirklich wahren Sneaker-Herzchen in den Augen sind aufgeploppt, als ich auf  Ethletic gestoßen bin. Mein Favoritenmodell: der Fair Skater Classic Jet Black.

Ethletic Fair Skater Classic Jet Black - Sneaker

Ist der nicht cool? 😎

 

Grund genug mal neugierig wegen eines Interviews anzufragen und herauszufinden, welche Geschichte hinter Ethletic steckt. Also treffe ich mich mit Annika, die sich um die PR, Social Media und alles, was mit Text zu tun hat, kümmert, im Coffee Al Volo in Hamburg.

Sie selbst ist da „so reingerutscht“, weil sie mit der Partnerin von Gründer Marc Solterbeck befreundet ist. Mittlerweile ist Ethletic für sie aber längst nicht mehr nur ein purer Zufall, sondern eine Marke, für die sie mit Spaß und aus Überzeugung arbeitet. 

 

Annika, ich habe gelesen, dass Ethletic aus der Idee entstand, faire Fußbälle herzustellen…

 

Ja, ganz am Anfang von Ethletic standen ein Deutscher und ein Engländer, die den ersten fair produzierten Fußball der Welt auf den Markt bringen wollten. Den Fußball gibt es auch noch. Marc hat das Geschäft 2011 übernommen. Heute arbeiten wir hier in Deutschland zu fünft für die Marke.

 

Aber wie kam es von den Fußbällen zum Schuh?

 

Bei einem Besuch in der Produktionshalle fiel einem der damaligen Gründer ein Chuck aus der Reisetasche. Und da Fußbälle und Schuhe (speziell die Sohlen) aus Kautschuk gemacht werden, meinte der Produktionsleiter, dass sie auch solche Chucks herstellen könnten. So sagt es zumindest die Legende :D Aber nein, es ist tatsächlich so passiert. Also folgten Prototypen und der fair produzierte Sneaker war geboren. Seit 2010 sind die Schuhe als erste Sneaker mit dem Siegel für fair gehandelte Baumwolle am Markt.

 

Ethletic Fair Trainer Classic Lo Cut
Ethletic gewinnt den Fair Trade Award, 1. Platz

Das Ethletic-Team gewinnt den Fairtrade Award 2016, der vom Transfair e.V. verliehen wird


 

Ich mag die Modelle, weil es einfach Klassiker sind: Chucks und Skaterschuhe. Die gehen doch immer – egal, was gerade sonst so angesagt ist. Und vor allem sind eure Schuhe ja überhaupt nicht teurer als die der bekannten Marken, obwohl ihr nachhaltiger produziert.

 

Ja, weil wir zum Beispiel bei der Werbung sparen. Wir wollen nicht mehr Geld ins Marketing stecken als in unsere Wohltätigkeitsprojekte. Wir hoffen darauf, organisch zu wachsen. Also gehen wir es langsam an.

 

Ich frage mich immer, warum denn nicht schon viel mehr Leute lieber faire und nachhaltige Sneaker kaufen.

 

Das ist vor allem eine Frage des Bekanntheitsgrades. Denn unsere Sneaker sind ja kein Kompromiss, sondern eine echte Alternative. Man muss keine Abstriche machen und hat sogar noch den Benefit, dass sie ethisch korrekt sind. Aber wir stehen eben noch nicht in jedem Laden oder Onlineshop. Momentan muss man noch etwas recherchieren, um nachhaltige Mode zu finden.

 

Stimmt. Das kenne ich von mir. Ich habe mir erstmal eine Lesezeichenliste mit allen möglichen Shops, die ich bei der Recherche gefunden habe, angelegt. Und dann gibt es ja auch verschiedene Standards: fair, vegan, umweltfreundlich. Man muss sich mit dem Thema erstmal auseinandersetzen.

Kaufen denn eure Kunden bei euch, weil  die Sneaker einfach cool sind? Oder doch eher, weil sie eben bewusst kaufen wollen?

 

Natürlich wollen wir erreichen, dass Leute bei uns in erster Linie kaufen, weil sie die Sneaker einfach cool finden. Aktuell kommen die meisten aber noch überwiegend wegen des Fairtrade-Siegels.

 

Apropos: Wir haben noch gar nicht erzählt, warum eure Sneaker so nachhaltig sind. Sie sind nicht nur fair, sondern auch noch vegan und umweltfreundlich.

 

Genau. Unsere Bio-Baumwolle bekommen wir aktuell noch aus Indien. Die dortige Kleinbauernkooperative ist aber mittlerweile stark gewachsen, weil die Nachfrage so steigt. Das war eine gute Gelegenheit für uns, die Kette etwas umzustellen und uns darum zu kümmern, auch unsere Bio-Baumwolle aus Pakistan beziehen zu können. In Pakistan haben wir ja bereits unsere Produktion. So werden die Wege einfach kürzer. Deshalb wurde Anfang des Jahres auf unsere Initiative hin die erste Kleinbauern-Bio-Baumwoll-Kooperative Pakistans gegründet. Der Kautschuk für unsere Schuhe kommt aus Sri Lanka und ist FSC-zertifiziert.

Das Fairtrade-Siegel für die Bio-Baumwolle betrifft allgemein auch nur diese, nicht aber die Bedingungen bei der Produktion. Siegel, die faire Bedingungen in der Produktion bescheinigen, sind bisher der große Schwachpunkt. Gerade erst hat Fairtrade International allerdings bekannt gegeben, ein solches einführen zu wollen und so die Kette zu schließen. Das begrüßen wir sehr. Wir selbst haben, um diese Grauzone auszugleichen, eine Welfare-Society gegründet. Ganz konkret bezahlt Ethletic zwei Rechnungen für seine Aufträge beim Produzenten. Eine Rechnung wird normal vom Produktionsunternehmen über die zu liefernde Ware gestellt. Eine weitere Rechnung bekommt Ethletic von der Welfare Society der Mitarbeiter. Diese Rechnung beträgt 15 Prozent des Warenwertes. Soll heißen: Bei einer Bestellung mit einem Warenwert von 100.000 Euro bezahlt Ethletic 115.000 Euro. Nämlich 100.000 Euro an den Lieferanten und 15.000 Euro für die Gemeinschaftsprojekte. Dies ist eine freiwillige Leistung, zu der wir durch keines unserer Siegel „gezwungen“ werden.

 

 

Warum ist es bisher eigentlich so „unpopulär“, Bio-Baumwolle aus Pakistan zu beziehen?

 

Die Sicherheitslage im Land ist ein Problem. Als Marc und unsere Designerin Johanna dort waren, hatten sie sogar ein kleines Sicherheitsteam an ihrer Seite. Marc meint, genau deshalb müssten wir erst recht etwas unternehmen, um dazu beizutragen die Lage zu verbessern. Bildung und soziale Projekte können zum Beispiel eine nachhaltige Lösung sein. Da können wir also wirklich was bewirken, wenn wir uns reinhängen. Dafür haben wir Mitarbeiter vor Ort, weil das von hier aus nicht geht. Das braucht einfach viel Zeit.

 

Gibt es eigentlich eine Art Team-Philosophie bei euch?

 

Eine Grundeinstellung für bewussten Konsum und auch Ernährung ist bei allen da, klar. Uns ist aber wichtig, dass wir nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen, sondern die Leute mit unseren Schuhen überzeugen. Und wer dann einen Schritt weitergehen und tiefer ins Thema eintauchen will, findet auf unserer Website alle Informationen zu den Themen Fairness, Veganismus, Nachhaltigkeit.

 

Diese Themen sind ja eng miteinander verzahnt. 

 

Ja genau. Beim Anbau von Bio-Baumwolle beispielsweise geht es darum, auf den Feldern keine Monokulturen, sondern auch andere Arten anzupflanzen. Monokulturen zerstören den natürlichen Lebensraum von Tieren und sorgen dann wieder für Verdrängung oder gar ein Aussterben. Das ist auch bei Kautschuk ein großes Problem, weil riesige Flächen für den Anbau genutzt werden. Durch solche Plantagen werden Schimpansen zurückgetrieben. Wenn da also etwas verändert wird, ist das gut für die Umwelt und wiederum auch gut für Tiere und Menschen.

 

Puh, manchmal hat man das Gefühl, man kann gar nicht ALLES richtig machen.

 

Deshalb sind die kleinen Schritte so wichtig. Man fängt einfach da an, wo es für einen möglich ist.

 

Na wenn das kein gutes Schlusswort ist :) Liebe Annika, vieeelen Dank fürs Rede-und-Antwort-stehen!

 

Was nach (und eigentlich schon während des Interviews) klar ist: Hinter Ethletic stecken Leute, die es ernst und ehrlich meinen. Deshalb werft unbedingt mal ein Auge auf die coolen – und nebenbei auch rundum nachhaltigen – Sneaker, liebe Leute!

 

 

PS: Und falls ihr Lust habt, euch ein bisschen mehr in die Materie einzulesen, dann schaut gerne mal bei den News von Ethletic vorbei. Da gibt es viele interessante Hintergrundinfos.

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