"Ich hab noch nie ein so schönes T-Shirt gebügelt." - die nachhaltigen Basics von Avour

Avour - Cradle-to-Cradle-zertifizierte T-Shirts

 

Es geht doch nichts über ein einfaches weißes T-Shirt. Das geht irgendwie immer :) Deshalb war ich ja auch so aus dem Häuschen, als ich – ich weiß nicht mehr wie – über Avour gestolpert bin. Das Prinzip ist simple: Im Shop stellt ihr euer T-Shirt zusammen, indem ihr aussucht

  • ob Mann oder Frau
  • Ausschnitt V, O oder U
  • eng, regulär oder locker
  • schwarz oder weiß

Fertig!

 

Die Kirsche der Sahnehaube ist dann aber noch, dass die Avour-Shirts Cradle-to-Cradle zertifiziert sind, d.h. unter anderem 100% recyclebar oder biologisch abbaubar (die kompletten C2C-Kriterien hat das Avour-Team hier für euch zusammengefasst). Hat das gute Stück also ausgedient, könnt ihr es zu den Kartoffelschalen auf den Komposthaufen werfen. Omma würde sagen: Was es nicht alles gibt!

 

Und weil auch ich ziemlich von den Socken war, habe ich Patric, den Gründer, gefragt, ob er nicht mal eine Runde mit mir skypen möchte. Gefragt, getan :)

 

 

Patric, wie seid ihr auf das T-Shirt gekommen?

 

Patric: Meine Eltern haben selbst einen Chemiebetrieb geführt und waren Zulieferer von Spezialchemikalien für die Produktion von Papier. Ende der 90er bzw. Anfang der 2000er kam der Trend auf, Papier als umweltfreundlich zu deklarieren, also als „chlorfrei gebleicht“ oder „recycelt“. Durch das Unternehmen meiner Eltern habe ich aber mitbekommen, welche Produktionsaufwände und Chemikalien für die Aufbereitung von recyceltem Papier nötig sind. Das fragt man sich schon, wie viel nachhaltiger das wirklich ist. Aber klar ist es immer noch besser, irgendwas mit kleinen Effekten zu tun statt gar nichts tun.

Also habe ich mir Gedanken gemacht, wie man Produkte von Grund auf besser gestalten kann. Ein indischer Geschäftspartner, mit dem ich damals Kontakt hatte, brachte mich auf das Thema Cradle-to-Cradle. Damit habe ich mich dann genauer beschäftigt und wollte es auf ein Produkt anwenden. Zusammen mit meiner Schwester kamen wir durch das Abklopfen verschiedener Branchen dann auf Klamotten.

 

Ah, also war es gar nicht so sehr, weil ihr die Modebranche an sich kritisch betrachtet habt?

 

Patric: Zumindest war das nicht der Ausgangspunkt. Das kam dann aber, als wir uns mit den Branchen  beschäftigt haben. Da wurde klar, dass es die Probleme, die wir aus der Papierindustrie kannten, auch in der Textilbranche gibt. Es gibt zwar massig Zertifikate und Siegel, aber so wirklich nachvollziehbar ist das alles nicht.

 

Dann stand also die Idee. Wie macht man dann weiter? Ich denke immer, wenn man vorher nichts mit der Branche zu tun hatte, hat man doch gar keine Ahnung, an wen man sich wegen der Rohstoffe und der Produktion wendet – mal abgesehen davon, dass man keine Ahnung von der Produktionskette hat. Fällt man da nicht in Ohnmacht?

 

Patric: In Ohnmacht sind wir nicht gefallen ;) Aber klar erwartet einen da ein krasses Pensum an Aufgaben: die Recherche der Materialen, der Herstellungsverfahren und Ressourcen sowie die Frage, welche Manpower und Maschinen nötig sind.

Uns war schnell klar, dass wir die sozialen Kriterien, die beim Cradle-to-Cradle auch entscheidend sind, gar nicht erfüllen können, wenn wir in der Ferne produzieren lassen würden. Es wäre uns dann einfach nicht möglich gewesen, alle 14 Tage dort vorbeizuschauen, um zu prüfen, ob alles fair läuft. Also sollte Deutschland unser Standort werden. Wir haben uns umgeschaut und sind 2013 mit Wolfgang Grupp von Trigema, einem Textilhersteller, zusammengekommen und haben gemeinsam überlegt, wie wir unsere T-Shirts C2C-fähig machen können.

 

Wie sieht die Kette eurer Shirts nun aus?

 

Patric: Als Rohstoff nutzen wir Baumwolle. Um die C2C-Kriterien zu erfüllen, könnte man beispielsweise auch Tencel nutzen. Letztendlich ist das aber ein Kunststoff und wir wollten natürliche Rohstoffe.

Auch da war Herr Grupp wieder unsere erste Wahl, da er in der Lage ist, nachzuweisen, dass alle Kriterien (siehe Materialgesundheit) erfüllt werden. Er arbeitet mit einem Baumwollbauern in der Türkei zusammen. Von da gelangt die Baumwolle nach Griechenland, wo sie gesponnen wird. Das fertige Garn kommt dann zum Werk von Herrn Grupp nach Burladingen und wird weiterbehandelt. Da sie von Natur aus einen Gelbstich hat, muss sie aufgehellt, zu Bahnen verstrickt und eingefärbt werden. 

 

Dabei kommen natürlich Zusatzstoffe zum Einsatz. Für mich ein kleiner Negativpunkt, da wir diesbezüglich nicht 100%ig transparent sein können. Denn diese Zusätze werden zusammen mit dem EPEA, das das Zertifikat vergibt, entwickelt und unterliegen Vereinbarungen zur Geheimhaltung – auch aus Gründen des Wettbewerbsvorteils. Ich kann aber sagen, dass wirklich nicht viele Additive zum Einsatz kommen und alles genaustens begutachtet wird. Nachdem der Stoff dann „ausgerüstet“ ist, war es das auch schon.

 

Zitat von Avour

 

Aber beim T-Shirt hört es bei euch ja noch nicht auf. Auf eurem Blog schreibt ihr auch über Dinge, die ihr in eurem Büro anders (aka. besser) macht.

 

Patric: Ja, wir benutzen beispielsweise C2C-Stifte von Cradlelution, die noch viel mehr Cradle-to-Cradle-Produkte in ihrem Shop haben: Bürostühle, Flaschen, Putzmittel. Für unsere tägliche Dosis Kaffee nutzen wir Esprimo – Kaffeekapseln aus einem Bio-Kunstoff aus Milchsäure. Die bauen sich innerhalb von sechs Wochen ab. Der Kaffee schmeckt einwandfrei und ist Fairtrade.

 

Sag mal, wie kamt ihr auf den Namen Avour? Der klingt so französisch, aber ich bin schlecht vorbereitet und habe noch gar nicht im Wörterbuch nachgeschaut, was er bedeutet.

 

Patric: Da hättest du auch nichts gefunden, denn er hat keine Bedeutung ;) Vor 10 Jahren war ich zusammen mit einem Freund schon ein bisschen unternehmerisch tätig. Irgendwann brauchten wir einen Namen und nach ein paar Flaschen Bier kamen wir auf Avour – einfach weil das gut klang. Als es dann mit den T-Shirts losging, kam der Name noch mal auf und Ariane, eine damalige Mitarbeiterin, meinte, dass das ziemlich gut passen würde, da die Halsausschnitte ja V, O und U heißen und diese Buchstaben im Namen enthalten sind.

 

Ha, Schicksal :) Gibt es schon Zukunftspläne für Avour?

 

Patric: Ja, wir wollen noch dieses Jahr mit einem Pop-Up-Store-Konzept auf Tour. Dort wird es neben den Shirts auch ein neues Produkt geben. Mehr kann ich noch nicht sagen. Aber wir halten euch auf dem Laufenden, z.B. hier.

 

Spaaannend! Letzte Frage: Gab es ein Kundenfeedback, das euch noch ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

 

Patric: Ja! Eine sehr junge Kundin rief an und meinte: „Das T-Shirt ist echt cool. Und der Ritterschlag war der Kommentar meiner Mutter, die nach dem Bügeln sagte: Ich hab noch nie ein so schönes T-Shirt gebügelt.“ :D

 

Na wenn das nicht auch nachhaltig ist, wenn man mit einem T-Shirt zwei Menschen glücklich machen kann ;) Patric, vieeelen Dank und weiterhin ganz viel Erfolg und Spaß mit Avour (auch beim Bügeln 😁)!

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