„Lasst uns was verändern. Und zwar mit Spaß an der Sache!" – Interview mit DANIQUE von MUD JEANS

Nächste Station in Amsterdam: MUD Jeans. Und da merkte ich schon ein wenig, wie sich der „Circle of Nachhaltigkeit“ dezent schloss. Das Lookbook von MUD Jeans hatte ich nämlich schon beim Interview mit LENA rumliegen sehen und nachdem mir Astrid von Conscious Hotels erzählte, dass sie ein nächstes Hotel bei der Westergasfabriek eröffnen würden, traf ich genau dort Danique, die vom Impact Hub aus für MUD Jeans arbeitet. Also erstmal einen Tee gemacht und dann ab auf die Retro-Sessel, um über die Leasing-Jeans zu sprechen.

 

MUD Jeans - Interview

 

Danique, ihr habt das Leasing-Model für die Jeans eingeführt. Vielleicht kurz für alle, die sich nun wundern: Wie funktioniert das?

 

Du bestellst deine Jeans bei uns und zahlst eine einmalige Gebühr von 25€. Danach zahlst du jeden Montag 7,50€. Nach zwölf Monaten gibt es mehrere Möglichkeiten: 

Du behälst die Jeans und sie gehört komplett dir.

Du gibst sie zurück und wie kümmern uns um ihr „Weiterleben“.

Du tauschst sie gegen eine neue Jeans und zahlst dafür weiterhin 7,50€ im Monat.

 

Was passiert dann mit den Jeans, die zurückgegeben werden?

 

Wenn sie ok sind, verkaufen wir sie als Vintage Jeans weiter. Wenn sie schon sehr kaputt ist, recyceln wir sie und nutzen die Faser entweder für eine neue Jeans oder für die Produktion eines Sweaters. Und genau darum geht es: Sachen nicht immer wegzuschmeißen, sondern auch zu reparieren und weiterleben zu lassen.

 

Aber das ist ja noch längst nicht alles, was ihr anders macht als andere Jeans-Labels…

 

Genau. Unsere Jeans werden in Italien produziert und sind Fair-Wear-zertifiziert. Außerdem ist uns der Kreislauf wichtig. Unsere Jeans sind so designed, dass sie sich leichter recyceln lassen. Statt der klassischen Leder-Labels hinten am Bund haben wir deshalb beispielsweise gedruckte Labels. Außerdem nutzen wir GOTS- und BCI-zertifizierte Baumwolle.

Ein anderes großes Problem ist ja der immense Wasserverbrauch bei der Produktion. Dafür werden neue High-Tech-Filtersysteme in unseren Fabriken genutzt, die 85-90% des Wassers für die Wiederverwertung filtern. Für die Used-Effekte setzen wir außerdem Laser ein, sodass dafür weder Wasser noch Chemikalien gebraucht werden.

Hier gibt es auch noch mal all unsere Maßnahmen in einer Übersicht.

 

 

Um diese neue Art der Jeans-Produktion zu etablieren, musstet ihr sicher viel Zeit in die Recherche investieren.

 

Nicht nur in die Recherche. Eine nachhaltigere Produktion benötigt auch ein hohes finanzielles Investment, zum Beispiel für die Laser, von denen ich eben erzählt habe. Und natürlich braucht es auch Mut, solche neuen Techniken zu etablieren und zu hoffen, dass weitere Unternehmen darauf zurückgreifen werden, sodass es sich auch auszahlt.

 

Bewirkt eure innovative Idee eigentlich auch ein Umdenken bei anderen Unternehmen, die dann auf euch zukommen, um sich Unterstützung zu holen?

 

Ja, es sind wirklich einige Unternehmen auf uns zugekommen. Sie hatten ebenfalls die Idee eines Kreislaufes, in dem nicht immer gleich alles im Müll landet, sondern re- oder upcycelt wird. Dabei ging es aber gar nicht unbedingt um Mode, sondern um ganz andere Produkte. Kopfhörer zum Beispiel. Die haben sich dann mit Bert zusammengesetzt, um sich Rat zu holen. Also kann man schon sagen, dass wir ab und an andere Unternehmen inspirieren :)

 

Gibt es eigentlich den „typischen MUD Jeans-Leaser“? Ich denke immer, dass es eher die jüngere Generation ist, die umdenkt und offen für neue Wege ist.

 

Naja, obwohl wir mit unserem Leasing-Modell nachhaltige Klamotten für jeden bezahlbar machen wollten, merken wir, dass sehr junge Leute sich zwar viel Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit machen, sich aber meistens die entsprechenden Produkte noch nicht leisten können. Unsere Zielgruppe liegt daher eher zwischen 28 und 48 Jahren. Die wollen auch etwas verändern und verdienen mehr Geld, sodass sie gerne etwas mehr für nachhaltigere Sachen ausgeben.

Wir haben sehr viele Kunden aus Deutschland, die verstanden haben, dass nachhaltige Klamotten gleichzeitig auch cool sein können. Ich habe das Gefühl, die Niederländer brauchen noch etwas, um das zu verstehen.

 

(Daniques Telefon klingelt. Sie geht kurz ran.)

 

Das war unser Denim-Experte Dion Vijgeboom. Er hat zehn Jahre lang für G Star gearbeitet, bevor er zu uns kam, und weiß alles über Jeans. Seitdem er Teil des Teams ist, sind unsere Jeans so viel besser geworden. Das ist das Tolle an einem Unternehmen wie MUD Jeans: Die Leute wollen unbedingt für die Idee arbeiten. Sie sind aus Überzeugung dabei. So war es auch bei Dion.

 

Gibt es trotzdem noch „Baustellen“? Dinge, die ihr besser machen wollt?

 

Wenn wir neue Jeans produzieren, können wir dafür aktuell 23% alter Jeans nutzen. Mehr ist technisch nicht möglich. Für Sweater ist das anders: Das können wir 84% recyceltes Denim verwenden. Das wollen wir ändern. Je mehr recyceltes Denim in eine neue Jeans kommt, desto besser. An der Berliner Esmod (internationale Kunsthochschule für Mode ) forschen sie bereits, um Möglichkeiten dafür zu finden.

 

Was war eigentlich Berts Motivation, MUD Jeans auf die Beine zu stellen?

 

Als er 23 war, zog er nach China, um dort für die Textilindustrie zu arbeiten. Er bekam natürlich all den Mist mit, der dort falsch läuft: Menschen am Existenzminimum und unsichere Fabriken mit versperrten Notausgängen – aus Angst, die Arbeiter könnten stehlen. Natürlich wurde viel über Rana Plaza berichtet, aber eigentlich gibt es in solchen Fabriken jeden Monat Unglücke aufgrund der schlechten Bedingungen. Also sagte er: Lasst uns die Dinge verändern. Und lasst es uns mit Spaß an der Sache tun.

 

Bert erzählt übrigens hier (10 Minuten) persönlich darüber.

Danique, vieeeelen Dank für deine Zeit und den Tee :)

 

Und Leute, bei der nächsten Jeans, probierts mal mit MUD Jeans. Per Home Try bekommt ihr drei Modelle nach Hause geliefert, um garantiert die knackigste Hose für euch zu finden. Also: Ready, steady, lease!

 

PS: Falls ihr ein Abo bei der Kleiderei habt, könnt ihr auch da mal testen. Die haben MUD Jeans nämlich in petto :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0