Ziemlich "ecosexy" - Conscious Hotels in Amsterdam

Wusstet ihr, dass Hotels nach Krankenhäusern auf Platz 2 der energieaufwendigsten Einrichtungen stehen? Ich bisher auch nicht. Bis Astrid von Conscious Hotels mir das erzählte. Bei einem Koffie Verkeerd in der Lobby des Hotels am Vondelpark haben wir über den Begriff Nachhaltigkeit und darüber, was Conscious Hotels so conscious macht, gequatscht.

Astrid macht die PR für Conscious Hotels, kommt ursprünglich aus Amsterdam, hat aber für ihr Studium und Jobs bei Nickelodeon und Dawanda ein paar Jahre in Berlin gelebt, weswegen wir beim Interview locker deutsch sprechen können.

Ich finde eure Seite so cool, weil ihr neben den Hotels auch immer wieder andere nachhaltige Produkte wie beispielsweise die Wasteboards (demnächst auch auf Helllaut) vorstellt. Ihr selbst beschreibt die Hotels auch immer als „ecosexy“ und „more hip than hippy“. Ihr habt also ein sehr positive Art das Nachhaltigkeitsthema zu vermitteln – à la: „Ziemlich cool, was man alles besser machen kann“.

 

Astrid: Ja, wie du vielleicht schon gemerkt hast, sieht man bei uns deshalb auch keinen großen Unterschied zu anderen Hotels – bis auf unsere Pflanzenwand vielleicht ;) Wir würden auch nicht behaupten, dass unsere Gäste kommen, weil wir nachhaltiger sind als andere Hotels. Sie buchen uns in erster Linie, weil Preis, Location und Design stimmen. Wir schätzen, dass 30-40% wegen der Nachhaltigkeit kommen und 60% einfach bei der Hotelsuche auf uns gestoßen sind. Aber vielleicht bemerken sie dann bei ihrem Besuch, was wir hier machen und werden etwas sensibler für das Thema Nachhaltigkeit. So hätten wir doch einen kleinen Anstoß zum Umdenken gegeben.

 

Conscious Hotels Amsterdam: Die Pflanzenwand in der Lobby
Die "Pflanzenwand"

 

Also mal Butter bei die Fische: Was macht ihr denn anders als andere Hotels?

 

Astrid: Wir wollten Umweltfreundlichkeit mit gutem Design verbinden. Unsere Möbel sind entweder aus zertifiziertem Holz oder recyceltem Material. Der Tisch, an dem wir sitzen ist z.B. aus Paperstone, also aus recyceltem Papier, das stark zusammengepresst wurde. Wir haben auch Tische aus alten Joghurtbechern. Die Bezüge, die wir hier auf den Kissen haben, sind aus recycelten Textilien. Bettwäsche und Matratzen auf den Zimmern sind Bio & Fairtrade, unsere Teppiche sind aus mehreren Patches zusammengesetzt, sodass wir einzelne Stück austauschen können, ohne gleich den ganzen Teppich rausnehmen zu müssen. Unser Strom wird mit Windenergie erzeugt, geputzt wird ohne Chemikalien, unsere Wäscherei hat sich auf umweltfreundliches Waschen spezialisiert, für unsere Gäste rufen wir Elektrotaxis, bieten nur Bio-Lebensmittel und Getränke an, haben ein bepflanztes Dach für eine gute Isolierung und verwenden ausschließlich LEDs oder Energiesparlampen. Auf den Zimmern gibt es keine Minibars und unser Frühstück bieten wir À la carte und nicht als Buffet an, weil da viel zu viel weggeschmissen wird.

 

Ein Zimmer im Conscious Hotel Amsterdam
Ausblick aus der Lobby im Conscious Hotel Amsterdam am Vondelpark

 

Ich habe auf eurer Seite übrigens diese Kartoffeluhr gesehen...

 

Astrid: Die gibt es in unserem kleinen Shop hier, in dem wir verschiedene nachhaltige Produkte und auch Bücher zum Thema haben.

 

Und Events veranstaltet ihr auch...

 

Astrid: Ja, wir haben z.B. das No-Waste-Dinner veranstaltet. Dafür haben wir das Essen aus Supermärkten gesammelt, dass sonst in der Tonne gelandet wäre und daraus ein Überraschungsmenü gekocht. Die Gäste durften bezahlen, was sie für richtig hielten. Die Einnahmen haben wir dann an einen Beekeeper aus der Stadt gespendet, damit er Bienenkästen finanzieren kann. Im Sommer wird er uns dann dafür unterstützen. Da bekommen wir nämlich unsere eigenen Bienen auf dem Dach.

 

Wie ist die Idee für ein nachhaltiges Hotel in Amsterdam entstanden?

 

Astrid: Eigentlich der Klassiker: Marco und Sam, die beiden Gründer, haben schon eine Weile sehr bewusst gelebt. Dann wurden beide Vater und ihnen war umso klarer, dass man was ändern muss, damit auch die kommenden Generationen ein gutes Leben haben.

Beide haben vorher schon Hotels hinsichtlich der Effizienz beraten. Durch diesen Einblick in die Branche fiel ihnen auf, dass viele Hotels schlechte Standards haben. Also planten sie eines, das nachhaltig und gleichzeitig schön ist. Dann kauften sie ein altes Hotel und rüsteten es auf. 

 

Die Gründer von Conscious Hotels Amsterdam: Sam Cohen und Marco Lemmers
Die "Founding Fathers" Sam Cohen (links) & Marco Lemmers (rechts)

 

Wie kommt die Idee bei den Gästen an? 

 

Ich denke gut, denn aktuell gibt es schon zwei Conscious Hotels und demnächst folgen dann Nummer drei und vier. Nummer vier wird bei der Westergasfabriek sein – ein altes Industriegelände mit tollen Gebäuden, in denen bereits viele nachhaltige Unternehmen sitzen, wie bspw. eine lokale Brauerei, Tony's Chocolonely oder auch das Impact Hub. Numero fünf ist schon für Den Haag geplant und dann sollen Städte wie Hamburg, Berlin und Stockholm folgen. Und mit ihnen wollen wir auch unsere Hotels weiterentwickeln und noch umweltfreundlicher machen, denn die Möglichkeiten entwickeln sich ja auch immer weiter.

 

Ist es eigentlich so viel teurer, ein nachhaltiges Hotel aufzubauen?

 

Astrid: Oh ja. Zum Einen muss man viel Zeit für die Recherche nach Alternativen investieren. Hinzu kommt, dass hier nur 1% aller Gebäude neu gebaut werden. Das heißt, 99% sind alte Gebäude, die nicht energieeffizient sind. Da muss man also viel in die Isolation und Dämmung stecken. Zum Anderen haben wir geringere Margen bei Essen und Trinken, da wir Bio-Qualität anbieten und die Kosten nicht komplett auf die Gäste umlegen wollen. Trotzdem zahlt es sich immer noch aus… sonst würden wir ja nicht zwei neue Hotels bauen ;)

 

Die Bar im Conscious Hotel am Vondelpark in Amsterdam

 

Kommen auch andere „Hoteliers“ bei euch vorbei, um sich was abzugucken?

 

Astrid: Klar, wie haben oft Leute hier, die sich Inspiration holen wollen. Da sind wir absolut offen, denn wenn eine große Hotelkette allein nur ihre Bettwäsche auf Öko-Leinen umstellen würde, hätte das größere Auswirkungen als wir mit unseren beiden Hotels bezwecken können.

 

Sucht ihr die Leute für euer Team auch danach aus, ob sie „more conscious“ leben?

 

Astrid: Wir hören im Vorstellungsgespräch natürlich schon raus, ob es ein Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit gibt. Das ist wichtig, aber wir erwarten nicht, dass jemand ausschließlich vegan oder bio isst.

 

Mittlerweile haben ja viele ein Problem mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“. Ihr auch? Denn ihr benutzt ja immer das Wort „conscious“ („bewusst“).

 

Astrid: Mir geht ein es bisschen so mit dem Wort „Duurzaamheid“, das holländische Wort für Nachhaltigkeit. Jedes Unternehmen, das irgendwo ein LED-Licht verwendet, behauptet nachhaltig zu sein. Es ist so ein Buzzword geworden, ohne das meistens klar ist, was nachhaltig im einzelnen Fall denn bedeutet. Gibt es regionales Essen, Bio-Produkte, stromsparende Maßnahmen? Nachhaltig kann viel bedeuten... oder eben auch nichts.

 

Hast du eigentlich das Gefühl, dass Amsterdam in Sachen „Duurzaamheid“ anderen europäischen Städten voraus ist? 

 

Astrid: Ja, aber ich glaube, das liegt daran, dass ich in einer „Nachhaltigkeits-Bubble“ lebe :D Aufgrund meines Umfeldes fühlt es sich zwar so an, als würde sich jeder mit dem Thema beschäftigen, aber natürlich ist das nicht so. Ich denke aber, dass unsere Generation sich schon eher mit diesen Themen beschäftigt, als unsere Eltern.

 

Liebe Astrid, vielen Dank für die nette Runde, deine Antworten und den Kaffee :)

 

Und liebe Leute, schaut unbedingt mal auf eine Nacht und einen Bio-Koffie-Verkeerd bei Conscious Hotels vorbei, wenn ihr in der Stadt seid. Ihr werdet euch sicher pudelwohl fühlen ✌️

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