„Kleine Labels sind die Hoffnungsträger“ – Katharina Michalski über die Veränderung im Modezirkus

Als ich die Trendexpertin Katharina Michalski aus London neulich schon mal neugierig fragen durfte, wie nachhaltig denn wohl der Nachhaltigkeitstrend sei, packte ich die Gelegenheit beim Schopfe, um direkt noch ein paar mehr Fragen speziell zum Thema Nachhaltigkeit in der Modebranche loszuwerden.

 

Zitat von Tredexpertin Katharina Michalski zu nachhaltiger Mode: "Die kleinen Labels sind für mich der Hoffnungsträger."

 

In welchem Bereich nimmst du den Nachhaltigkeitstrend besonders stark wahr?

 

Inzwischen hat die Mehrheit der Unternehmen eine Nachhaltigkeitsagenda. Auffällig viele Initiativen gab es in letzter Zeit im (Fast) Fashion-Bereich. Zum einen weil dieser Bereich unter moralischem Druck steht, fair zu produzieren und Landfill zu vermeiden. Zum anderen weil Mode sich immer wieder neu erfinden muss und daher an sich innovationsorientiert ist. Und zuletzt auch weil Mode Stimmungen und Zeitgeist einfängt. Und momentan ist das Bild von einer verantwortlichen Lebensweise unser Ideal.

Welche Rolle spielen Soziale Medien beim Vorantreiben dieses Trends?

Soziale Medien sind Wegweiser, geben Anleitung und können tausende User inspirieren und beeinflussen. Gerade die visuellen Kanäle wie Instagram, Tumblr oder Pinterest sind gut dafür geeignet, bestimmte Lifestyles zu verbreiten – mit allen Produkten, Stilen und Geschmäckern, die dazugehören. Alles was heute Verbreitung in der Millennial Culture finden will, muss sich fragen, ob es “Instagram-fähig” ist.

 

Du hast ja hier schon erzählt, dass Nachhaltigkeit ein Gesellschaftstrend ist, der nicht einfach so wieder verschwindet. Gilt das auch für die Modebranche oder ist Nachhaltigkeit dort nur ein Hype?

 

Mode spürt aktuelle Stimmungen auf und setzt sie in Kollektionen um. Das lässt sich immer wieder neu inszenieren und in Hypes übersetzen. Die nachhaltige Produktion allerdings ist kein Hype, sondern eine bewusste Entscheidung, die die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens langfristig beeinflusst. 

In einem anderen Artikel auf Helllaut gibt es eine Zusammenfassung von Trendprognosen für 2016, die auf Ecouterre erschienen sind. Was meinst du? Was wird sich kurzfristig in der Modebranche verändern?

Veränderung geht nur langsam von statten. Ein Grund dafür sind Fast-Fashion-Ketten wie H&M, Zara, Primark, Topshop und andere, deren Geschäftsmodell darauf basiert, dass Unternehmen möglichst billig sowie schnell produzieren und Konsumenten ihre Garderoben ständig erneuern. Das steht im krassen Gegensatz zu der Idee der Nachhaltigkeit. Das Problem dabei sind aber auch die Konsumenten – nicht diejenigen, die sehr sparen müssen, sondern diejenigen, die gerne und oft shoppen. Solange Nachfrage nach Billigware besteht, werden die großen Modeketten ihr Geschäftsmodell beibehalten. 

 

Welche Rolle spielen dabei kleine Labels, die bereits nach nachhaltigen bzw. sozialen Prinzipien produzieren? Werden sie eine Chance gegen die großen Marken haben – eben wegen ihrer Positionierung? 

 

Die kleinen Labels sind für mich die Hoffnungsträger. Modemarken wie Un-Made (eine Plattform auf der man Strickwaren-Designs nach eigenen Wünschen verändern und made-to-order liefern kann), Hium Denim (konzentrieren sich ausschließlich auf Jeans, gemäß ihrem Ethos “Do one thing well") oder Auria (nachhaltig hergestellte Bademoden, z.B. aus alten Fischernetzen) setzten innovative Herstellungsmethoden oder Vertriebswege ein, um Wertigkeit zu vermitteln und dabei die Herstellungskosten möglichst gering zu halten. Sie leisten einen großen Beitrag zur Veränderung unserer Einstellung und unseres Verhaltens – auch wenn wir damit aus gesellschaftlicher Sicht noch relativ am Anfang stehen.

 

Entscheidend dabei sind ja vor allem die Konsumenten. Wo liegt für sie die größte Hürde, das eigene Konsumverhalten zu ändern?

 

Eine große Hürde ist die Frage der Wertschätzung, aber auch der Wunsch nach Selbstoptimierung und Selbstbelohnung. Wenn wir Shopping als Therapie einsetzten, ist der Wunsch, sich selbst etwas Gutes zu tun, größer als das schlechte Gewissen, nicht fair oder nachhaltig zu konsumieren. 

 

Liebe Katharina, dafür noch ein mal vieeelen Dank & Grüße nach London ✌️

 

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