Eine Bibliothek für Klamotten: „Es war so logisch!“ – Suzanne von LENA, Amsterdam

Ich habe euch ja schon ab und an auf die Nase gebunden, dass ich in Amsterdam unterwegs war. Die Gelegenheit habe ich beim Schopfe gepackt, um dort ein paar Menschen hinter tollen Unternehmen und Ideen zu treffen, die die Welt ein bisschen besser machen.

Grund genug also, auch mal bei LENA reinzuschneien.

 

LENA funktioniert im Prinzip wie eine Bibliothek – nur eben mit Klamotten. Mit Suzanne, eine der vier Gründerinnen, habe ich im Laden zusammengesessen und über die Idee gequatscht.

 

Die vier Gründerinnen von LENA, der Kleiderbibliothek aus Amsterdam

 

Suzanne, natürlich direkt die Frage, wie ihr auf diese coole Idee einer „Kleider-Bibliothek“ gekommen seid? 

Naja, zum Einen kennt das ja jede Frau: Der Kleiderschrank ist bis oben voll, aber man zieht nur wenige der Sachen wirklich regelmäßig an. Und trotzdem kaufen wir immer wieder neue Klamotten, von denen die meisten auch kaum genutzt auf unserem Kleiderberg landen.

Zum Anderen fiel uns auf, dass wir ja auch Bücher, Autos und Wohnungen (beispielsweise via Airbnb) leihen. Da war es einfach nur logisch, auch Klamotten leihen zu können. 

Ist euch die Nachhaltigkeit da auch schon auch als Motivation im Kopf rumgeschwirrt?

 

Klar ist die Idee auch nachhaltig. Aber das steht nicht so sehr im Fokus. Uns ging es in erster Linie darum, dass man einfach nicht mehr so viel ungenutztes Zeug zu Hause rumliegen hat und trotzdem immer mehr kauft.

Auch in unserer Kommunikation nach außen unterstreichen wir eher die Möglichkeit, Zugriff auf einen riesigen und vielfältigen Kleiderschrank zu haben, als nachhaltig zu handeln.

 

Das heißt, auch eure Kunden nutzen LENA nicht in erster Linie, um der Fast Fashion zu trotzen?

 

Zumindest ist das nicht die Mehrheit. Wir haben viele verschiedene Kundinnen: Von der 16-jährigen, modebewussten Bloggerin bis hin zur 55-jährigen Experimentierfreudigen. Und klar sind da zwischendrin auch diejenigen, die kommen, weil sie wissen, dass es eine faire und umweltfreundliche Alternative zum üblichen Modekonsum ist.

 

 

 

Worauf legt ihr bei den Sachen wert, die ihr hier in eurem Laden zur Auswahl stellt?

 

Natürlich liegt uns die Qualität, Nachhaltigkeit und Vielfalt am Herzen. Es ist also ein bunter Mix aus Vintage-Teilen über Kollektionen von lokalen Designern, Ökolabels oder Fair-Fashion-Marken bis hin zu Stücken, die Kundinnen uns gegeben haben, weil sie sie selbst nicht mehr anziehen. Was wir nicht haben, sind Klamotten von  H&M, Zara, Mango, Primark, Bershka usw.

 

Das Ganze funktioniert über ein Punkte-System, das man auf eurer Homepage nachlesen kann. Wie viele Teile habt ihr in eurer „Fashion-Bibliothek“?

 

Hier im Laden sind es ungefähr 800 Teile und dann schwirren noch mal um die 600 bis 700 bei Kundinnen rum.

 

Könnt ihr vier eigentlich schon von LENA leben?

 

Nein, das leider noch nicht. Wir arbeiten nebenbei noch als Freelancer.

 

Würdest du sagen, dass Amsterdam eine fortschrittliche Stadt ist, wenn es um Nachhaltigkeit geht?

 

Einerseits ja, wenn ich sehe, wie viele Restaurants und Cafés es gibt, die nur noch Bio-Lebensmittel oder vegane Gerichte anbieten. Oder wie viele Ideen und Startups es in dem Bereich gibt.

Auf der anderen Seite ist die Regierung nicht unbedingt bemüht, solche Ideen zu unterstützen. Ich hatte zum Beispiel nachgefragt, ob sie uns mit einer günstigen oder sogar kostenfreien Ladenfläche helfen könnten. In Amsterdam gibt es ja viel Leerstand, der so genutzt werden könnte. Aber da kam nichts. Dasselbe, als wir eine Bank suchten, über die wir die monatlichen Gebühren bei unseren Kunden abbuchen könnten. Die haben nur in ihre Liste geschaut, für wen sie sowas machen können – Fitnessstudios zum Beispiel. Aber da unser Modell so neu und einzigartig ist, stand das natürlich nicht drin. Also winkten sie ab.

 

Trotzdem habt ihr es mit eurem guten Willen geschafft. Was für Pläne gibt es für die Zukunft?

 

Da wir bisher nur den einen Laden haben und manche Kundin vom anderen Ende der Stadt her radeln muss, wollen wir LENA gerne über die Stadt verteilt anbieten können. Dazu arbeiten wir mit anderen Geschäften zusammen, in denen wir dann eine „LENA-Ecke“ integrieren können. Außerdem wollen wir gerne Leute unterstützen, die auch eine Kleider-Bibliothek aufmachen wollen. Wir bekommen so viele Mails von Menschen, die das planen und Fragen haben. Natürlich wird es beim Großteil nichts. Aber denen, die es ernst meinen, würden wir gerne mit unserem Know How helfen

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Ich will die ganze Zeit schon immer versehentlich Lena zu dir sagen, weil man natürlich glaubt, der Name stammt einfach von der Besitzerin :D Wie kamt ihr auf den Namen?

 

Ja ja, das bist du nicht die Einzige (lacht). Wir haben alle vier in einem Vintageladen in Eindhoven gearbeitet: Doortje. Der Name ist ein alter holländischer Frauenname. Also dachten wir, dass wir dieses Namensprinzip bei unserer neuen Idee weiterführen wollten. Da „ausleihen“ auf Dutch übersetzt „lenen“ heißt, passte LENA also perfekt.

 

Perfekt! Liebe Suzanne, vielen lieben Dank!

 

 

Und Leute, ich weiß, ich weiß: Viele von euch leben wahrscheinlich nicht in Amsterdam ;) Aber auch hier gibt es schon ein Konzept, das ähnlich wie LENA funktioniert: Die Kleiderei. Das gibts schnieke Sachen. Und egal, in welcher Ecke Deutschlands ihr lebt: Ihr könnte die Klamotten auch online ordern. Also guckt mal rein und dann besorgt euch ein Abo für eine unendlichen und vor allem nachhaltigen Kleiderschrank. Viel Spaß beim Teilen✌️

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