Wie nachhaltig ist der Nachhaltigkeitstrend? 

Es gibt mehr und mehr Magazine & Blogs, die sich mit grünem Lifestyle auseinandersetzen. Unternehmen wollen nachhaltiger handeln. In den Städten schießen Bio-Läden wie (Bio-)Pilze aus dem Boden. In den großen Supermärkten wird immerhin schon Platz für vegane und Bio-Regale gemacht. Es gibt nachhaltige Mode, nachhaltige Möbel, nachhaltige Hotels, nachhaltige Smartphones, nachhaltige Suchmaschinen.

 

Klare Sache: Nachhaltigkeit ist ein Trend. 

 

 (Für alle, die sich jetzt am Kopf kratzen und sich fragen, was „nachhaltig“ überhaupt bedeutet: Voilà – Definition Nachhaltigkeit)

Aber sagt man nicht so schön „Trends kommen und gehen“? Versuchen also jetzt alle, die Welt zu retten und rudern dann zurück, wenn ihnen die Puste ausgeht? Wie ist die Lebensdauer eines Trends? Und wie können wir sicher sein, dass der Nachhaltigkeitstrend auch wirklich nachhaltig ist?

Da muss mal ein Trendexperte ran! Also habe ich mir zwei geschnappt und nachgehakt.

 

Wer oder was war Treiber dieses Trends? Warum wachen wir alle plötzlich auf?

Katharina Michalski arbeitet in London und schreibt mir von dort aus: „Grund sind die von der Mehrheit der Klimaforscher bestätigte Erkenntnis, dass der Klimawandel echt und menschengemacht ist. Ressourcenknappheit ist eine weitere große Herausforderung. Konsumenten wollen sich nachhaltig verhalten, delegieren die Verantwortung dafür jedoch an Wirtschaft und Politik. Das bedeutet, dass es eine steigende Nachfrage nach ‚guten’ Produkten gibt, die sich aus der Sorge um die Zukunft speist.“

Walter Matthias Kunze von Trendquest in Hamburg glaubt außerdem, dass die Sehnsucht nach traditionellen Werten wie Authentizität und Stabilität eine große Rolle spielt: „Menschen romantisieren die Vergangenheit. Das ist der Grund für viele Retrotrends, aber auch für das Bedürfnis, lokal bzw. regional einzukaufen. Man hat eben lieber die Marmelade ‚wie bei Oma‘ im Regal stehen, als die aus dem Discounter. Oder isst lieber am selbst geschreinerten Esstisch als an einem Massenprodukt von IKEA, dass zig andere Leute auch in ihrer Bude stehen haben. Auch Ethik wird als Wert wichtiger, weswegen viele Menschen lieber zu Fairtrade-Produkten greifen.“

Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Wie nachhaltig ist dieser Trend? Lehnen wir uns doch irgendwann wieder zurück zu „Is mir egal“?

„Nachhaltigkeit ist ein Gesellschaftstrend, der einen Bewusstseins- und Wertewandel ausdrückt. Diese Veränderungen sind langlebig. Nur die Ausdrücke dieses neuen Bewusstseins können sich ändern. Das heißt, dass unterschiedliche nachhaltige Themen wie z.B. Cleantech, Closed Loop oder Cradle-to-Cradle im Zeitverlauf unterschiedlich starken Anklang finden oder von neuen Themen und Innovationen abgelöst werden“, schreibt Katharina. Matthias sieht das genauso: „Es gibt Trends, die in unseren Verhaltensweisen fest verankert und so zur Normalität werden. Das ist wie mit den Smartphones – auch ein Trend, der sich weiterentwickelt. Aber es wird eher nicht passieren, dass plötzlich keiner mehr ein Smartphone oder ähnliche Mobile Devices möchte. Weil mobile Kommunikation selbst ein langfristiger Trend-Treiber ist.“

 

Ok, verstanden. Der Nachhaltigkeits-Trend ist also nicht zu vergleichen mit all den Dingen, die ich mit dem Wort „Trend“ assoziiere… Tamagotchis zum Beispiel. Oder Boygroups.  Oder all die anderen Dingen, die jeder toll fand und über die wir heute nur noch kichern. Denn Tamagotchis und Backstreet Boys konnten die Welt nicht verändern. Nachhaltiges Handeln und bewusster Konsum schon.

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Kommentare: 2
  • #1

    Johann (Samstag, 06 Februar 2016 12:10)

    Toller Artikel ;)

  • #2

    Sophie (Sonntag, 07 Februar 2016 19:33)

    Hey Johann. Daaankeschön :) Freut mich sehr!