Was ist „Nachhaltigkeit“?

„Nachhaltigkeit & gute Laune“… das steht unter Helllaut. Gute Laune? Klar. Muss man nicht erklären. Damit kann jeder was anfangen. Nachhaltigkeit? Irgendwie auch klar. Und irgendwie auch wieder nicht. Wie genau definiert man Nachhaltigkeit eigentlich? 

 

Was ist Nachhaltigkeit? Eine Definition...

 

Ich spreche fast immer von Nachhaltigkeit, wenn es darum geht, die Welt und die Zukunft etwas besser zu machen – also auch dann, wenn es beispielsweise um faire Mode oder vegane Ernährung geht.

Dabei fiel mir aber irgendwann auf, dass der Begriff von anderen meist eher in einem ökologischen Zusammenhang verwendet wird. Das liegt wohl an seinem Ursprung, da der Begriff Nachhaltigkeit im 18. Jahrhundert zum ersten Mal in der Forstwirtschaft verwendet wurde: Es solle nur so viel Holz geschlagen werden, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen kann.

Und häufig wird Nachhaltigkeit auch heute in diesem ökologischen Zusammenhang definiert: Die Ressourcen im Sinne der natürlichen Regenerationsfähigkeit nutzen.

 

In meinen Augen – wie gesagt – ist Nachhaltigkeit viel mehr als das: Verzicht auf Tierversuche, ausreichende Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Textilarbeiter in den Entwicklungsländern, vegane Ernährung, Vermeidung von Plastik, Konsum, der nicht ausufert. Hat der Begriff eine höhere Bedeutung bekommen? Oder wurde er einfach so inflationär benutzt und ausgelutscht, dass er nun irgendwie allgemeingültig ist und damit wiederum an Bedeutung verloren hat? Wenn sich alles und jeder Nachhaltigkeit auf seine Fahne schreiben kann, was ist das Wort dann noch wert und wer dann noch wirklich nachhaltig?

 

Maíra Goldschmidt hat dazu übrigens im Rahmen ihres Masterstudienganges „Sustainability in Fashion“ eine Dissertation mit dem Titel „Please, kill the 's' word - Or how to communicate sustainability without being misunderstood“ („Bitte, streicht das N-Wort – Oder wie Nachhaltigkeit ohne Missverständnisse kommuniziert werden kann“) geschrieben. Sie kommt zu dem Schluss, dass nur der Begriff ‚nachhaltig‘ allein nicht verständlich ist – eben wegen der vielen Interpretationsmöglichkeiten. Es muss auch immer genauer beschrieben werden, was genau nachhaltig an einem Produkt/einer Dienstleistung ist. 

Nachhaltigkeit ist eben immer auch mit Aufklärung verbunden.

 

Was sagen denn die Wikis?

 

Auch auf Wikipedia wird von einer „Definitionsvielfalt“ gesprochen – wissenschaftlich, wirtschaftlich, politisch, medizinisch, sozial, aktuell, traditionell, insbesondere, umfassend – was darf´s denn sein?

Wiktionary beschreibt Nachhaltigkeit als „Wirkung über einen kurzen Zeitraum hinaus“. Das ist natürlich sehr allgemein und auch auf Dinge anwendbar, die wir nicht unbedingt als positiv bezeichnen würden. Ein Brandwunde, von der eine Narbe bleibt, ist demnach auch nachhaltig. Ist ja auch nicht falsch, aber geht eben in eine ganz andere Richtung. Denn klar ist, dass Nachhaltigkeit in irgendeiner Weise mit einer besseren Zukunft verknüpft ist. Hört man den Begriff „Nachhaltigkeit“ ohne jeglichen Zusammenhang, assoziiert man doch sofort ein bewusstes Handeln unter Berücksichtigung der Zukunft. Einer lebenswerten Zukunft. Geht euch doch auch so, oder?

 

Jetzt mal auf den Punkt kommen.

 

Nach den Wikis, die mich ja auch nicht viel schlauer gemacht haben, bin ich auf den Brundtland Bericht aus den 80ern gestoßen, der mit einer Definition für „nachhaltige Entwicklung“ den Nagel schon ganz gut auf den Kopf trifft:

Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält.

 

Ja gut, dann ist klar, dass es nicht nur um die ökologische Dimension geht, sondern auch um die Soziale. Meine Favoriten-Definition so weit. Und dann fällt mit plötzlich auf, dass ich die Einleitung auf derselben Seite noch viel treffender finde:

 

Der Kerngedanke (von Nachhaltigkeit): Zukünftige Generationen sollen dieselben Chancen auf ein erfülltes Leben haben wie wir. Gleichzeitig müssen Chancen für alle Menschen auf der Erde fairer verteilt werden.

 

Basta! Es geht hier also weiterhin um Nachhaltigkeit, die genau dafür sorgt… und gute Laune :)

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